• Landestheater Niederbayern 2016

    Giuseppe Verdi - Aida

    "Größte Freude der Passauer Aida sind die rivalisierenden Frauen: Mezzosopran Jenny Hou als Amneris mit wohlschmeckender Prise Schärfe im Klang, und Sopran Suyoun Kang als Aida. Beides beseelte Darstellerinnen, beides natürlich tragende statt donnernde Stimmen; sie müssen Verdi nicht beweisen, sie tragen ihn in sich. In aller Zärtlichkeit, aller Wut, aller Trauer und aller souveränen Weite."

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  • PREMIERE IN PASSAU Landestheater Niederbayern 2016

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  • 2014 LInz

    Competizione dell´Opera

  • The National Centre for the Performing Arts Beijing - China

    Beethoven Symphony No.9

  • 2014 Linz

    Competizione dell´Opera

  • CD Album 2013

    Auszeichnung

Im Verdi-Fieber: Passauer Publikum feiert "Aida" am Landestheater

von Raimund Meisenberger

Ohne Stoppuhr schwer zu sagen, wie lange dieser Applaus letztlich gedauert hat. Außerordentlich lang jedenfalls, extrem lang, in fast schon hymnischer Hingabe vorgebracht. Die erste “Aida” am Landestheater Niederbayern wurde am Samstagabend zum Triumph.

Der ägyptische Feldherr Radames liebt die unterworfene äthiopische Sklavin Aida, am Ende werden beide lebendig begraben − was Verdi musikalisch zum Happy End verklärt. Diese 1871 in Kairo uraufgeführte Herzschmerz-und-Vaterland-Geschichte hat der britische Regisseur Stephen Medcalf in Passau nach der Methode der freien Assoziation inszeniert:

Von der ägyptischen Gottheit Isis gelangt er phonetisch zur Terrorvereinigung Islamischer Staat, weshalb ans altsyrische Palmyra erinnernde Architektur die Bühne (Karlheinz Beer) ziert, die später in IS-Manier in die Luft gejagt wird. Die ägyptischen Priester tragen Turban und iPad, die ägyptischen Soldaten (hier Terroristen) Tarnanzüge, Gewehre, Sprengstoffgürtel. Ihre Kriegsgefangenen aus Äthiopien stecken in orangefarbenen Anzügen, wie man sie aus dem US-Lager Guantanamo kennt, während − Überraschung − Pharao und Feldherr eine Militärdiktatur-Kluft im Stile von Kim Jong-il und Kim Jong-un tragen.

Akzeptiert man so wenig Stringenz in der Regie, dann ist auch der Text-Bild-Bruch im Finale verzeihlich: Aida und Radames umgeben von Wachen, der gesamte Chor umringt sie, ein vermummter Terrorist filmt mit dem Handy, wie ein anderer mit dem Messer Radames’ Kehle durchtrennt − und all das, während die Liebenden ausführlich besingen, dass sie nun ganz allein lebendig begraben sind.

Größte Freude der Passauer Aida sind die rivalisierenden Frauen: Mezzosopran Jenny Hou als Amneris mit wohlschmeckender Prise Schärfe im Klang, und Sopran Suyoun Kang als Aida. Beides beseelte Darstellerinnen, beides natürlich tragende statt donnernde Stimmen; sie müssen Verdi nicht beweisen, sie tragen ihn in sich. In aller Zärtlichkeit, aller Wut, aller Trauer und aller souveränen Weite.